In den USA ist mal wieder der Vorwahlkampf zur Präsidentschaft entbrannt – das wohl demütigendste und peinlichste Ritual der westlichen Demokratien. Ein Haufen mehr oder weniger bekannter Politiker gesteht der Nation, dass sie unbedingt Präsident werden wollen. Ein Eingeständnis, dass deutsche Politiker direkt ins Aus befördern würde, denn Machtgier wird vom Wähler bestraft… Kein Wunder, dass sich der New Yorker Bürgermeister Bloomberg lieber zurücklehnt um seine eventuelle Kandidatur als Unabhängiger zum letztmöglichen Zeitpunkt bekanntzugeben. Erlauben kann er sich das: Auf seinem Konto ist für den Wahlkampf mehr Geld, als die anderen Kandidaten überhaupt aus Spenden zusammentrommeln könnten.
Zwischenzeitlich zerfleischen sich die Parteifreunde bis aufs Blut, so haben Clintons Berater schon die Koks-Barack-Kampagne gestartet… Dabei war es noch nie so leicht demokratischer Präsidentschaftskandidat zu werden: Man darf einfach genau eine Sache nicht machen, ein Wort nicht sagen: „CHANGE“, zu Deutsch: Wandel. „Countdown to Change“ steht auf Clintons Kampagnenbus, „Change we can believe in“ auf Obamas T-Shirts. Und mir der Change-Kampagne versuchen gerade beide Stimmen zu fangen. Dabei ist doch der unglückliche Dritte dieses Wahlkampfs der eigentliche „Changer“: John Edwards. Der bleibt auf der Strecke… auch wenn immer mehr Hollywood-Promis, wie u.a. James Denton ihn unterstützen.
Meiner Meinung nach ist Edwards dennoch der einzige akzeptable Kandidat im Rennen. Mal ehrlich: Clinton ist ein emotionaler Kühlschrank und sie hat die meiste Zeit ihres Lebens mit Diplomatenfrauen gefrühstückt wärend ihr Mann Weltpolitik gestaltet hat. Ja: Sie hat das alles mal gesehen, aber das ist nicht die Erfahrung von der sie erzählt. Sie stand am Rand und hat zugeschaut, das ist wie wenn man vom Sportschau schauen sportlicher wird… so ein Quatsch. Und Obama? Also bitte… der ist seit zwei Jahren Senator… da muss man im Congressgebäude in Washington noch fragen wo es zu den Toiletten geht… da hat man von Politik noch keine Ahnung… außerdem kann er in zwanzig Jahren noch kandidieren… das ist doch vermessen…
Aber nein, entweder Clinton oder Obama wird wohl für die Kandidaten ins Rennen ziehen… nach den Vorwahlen in New Hampshire sind sie ja wieder gleichauf… Aber wer einen Schwarzen und/oder eine Frau will kann auch Condoleezza Rice zur Präsidentin wählen… dann hat man beides in einem. Nein… wenn ich mitstimmen würd, dann für den knautschgesichtigen Edwards. Okay, ja, er ist äußerst links… aber Clinton ist rechts… und Obama ist gar nichts! Außerdem ist Edwards der einzige, der in derzeitigen Umfragen gegen alle republikanischen Kandidaten vorne liegt. McCain würde gegen Clinton und Obama gewinnen.
Apropos: Was machen eigentlich die Republikaner… Da ist ja totales Chaos ausgebrochen… In drei Vorwahlen haben drei verschiedene Kandidaten gewonnen… der eigentliche Favorit allerdings nicht… Okay, es ist auch wenig verwunderlich, dass Rudy Giuliani in den bisherigen Vorwahlstaaten nicht nur haushoch verliert – er war auch intelligent genug gar nicht erst in diesen Staaten Wahlkampf zu machen. Immerhin: Für die Wähler in diesen drei konservativen Staaten ist der Großstädter, der mehrfach geschieden ist, die Homo-Ehe befürwortet (und zwar mehr als ALLE demokratischen Kandidaten) und dann auch noch für Abtreibung ist, ein Dorn im Auge. Dennoch könnte es knapp werden für den Held von 9/11, denn die frühen Vorwahlen sind ein enormes Stimmungsbarometer. Wer hier nicht gewinnt hat auch am Super Tuesday schlechte Chancen. Und langsam fällt er auch in nationalen Umfragen zurück… Neuer Star der Republikaner ist Mike Huckabee. Wer? Ja genau, Mike Huckabee, den vor wenigen Monaten noch niemand kannte. Er liegt mittlerweile leicht vor Giuliani…
Dieses Chaos bei den Republikanern ist kein Wunder. Die Konservativen in den USA werden auf eine harte Probe gestellt. Giuliani ist viel zu liberal, Romney gilt als „Flip-Flopper“ – einen Wendehals, Huckabee ist auch wesentlich liberaler als die bisherige Führungsriege der Republikaner, Thompson ist die Luft ausgegangen und die letzte Hoffnung des Konservativismus heißt John McCain. Der ist der Einzigste, der nach Umfragen eine Chance gegen Obama und Clinton hätte, aber vielen zu alt, für andere ein Nestbeschmutzer der Regierung Bush, denn er war der einzigste der 2000 George W. Bush die Kandidatur hätte streitig machen können. Trotz später Loyalität haben ihn die NeoCons schlecht in Erinnerung.
Bei den Republikanern bleibt es spannend – spannender als bei den Demokraten.
Zuletzt… was denke ich…? Meine Wunschkandidaten wären Edwards bei den Demokraten und Huckabee bei den Republikanern… aber wer wirds? Ich denke, am Ende wird Hillary Kandidatin. Ihre Hochburgen werden in Kürze abstimmen… außerdem: Ihr Wahlkampf war bisher eher schlecht… da ist noch Platz sich zu verbessern… bei Obama nicht… der ist schon topp… besser kanns nicht werden.
Die Glaskugel sagt mir Romney wird republikanischer Kandidat.. Warum? Kein Ahung. Das ist so ein Gefühl… Aber je enger die Konservativen beieinander liegen, desto eher werden sie einen rechten Politiker wählen und keinen Liberalen, auch keinen Halb-Liberalen, keinen Polit-Opa und erst recht nicht noch einen Hollywoodschauspieler. Aber das ist reinste Spekulation.
ES BLEIBT SPANNEND